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Stellungnahme der TGL Nordrhein zu den laufenden Tarifverhandlungen
von TGL Nordrhein
TGL e.V. nimmt das Statement der ADEXA mit Verwunderung zur Kenntnis.
Bis zuletzt war es unser ausdrückliches Ziel, die Tarifverhandlungen ohne öffentliche Auseinandersetzung am Verhandlungstisch fortzuführen. Noch wenige Tage vor der Pressemitteilung haben wir der ADEXA eine kurzfristige weitere Verhandlungsrunde angeboten – ausdrücklich auch als Videokonferenz, um angesichts des zum 30. Juni 2026 ausgelaufenen Tarifvertrages möglichst schnell zu einer Einigung zu gelangen. Dieses Gesprächsangebot besteht weiterhin.
Umso mehr bedauern wir, dass sich die ADEXA stattdessen für den Gang an die Öffentlichkeit entschieden hat.
Besonders irritierend ist dabei der zeitliche Ablauf. Die ADEXA benötigte rund zehn Tage, um auf unser Angebot zu reagieren. Bereits nach sechs Tagen wurde die TGL jedoch aufgefordert, kurzfristig ein weiteres verbessertes Angebot vorzulegen. Gleichzeitig wurde angekündigt, andernfalls die Fachmedien über ein angeblich unzureichendes Angebot zu informieren. Bis heute wurde uns jedoch weder mitgeteilt, an welcher konkreten Stelle unser Angebot unzureichend sein soll, noch welche konkrete Vergütung die ADEXA stattdessen fordert. Eine bezifferte, nachvollziehbare und wirtschaftlich tragfähige Gegenforderung liegt bis heute nicht vor.
Tarifverhandlungen leben vom Austausch konkreter Positionen. Wer ein Angebot ablehnt, sollte nicht nur erklären, dass es nicht ausreicht, sondern auch aufzeigen, welche konkrete Lösung angestrebt wird und wie diese unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der öffentlichen Apotheken dauerhaft finanziert werden kann.
Die Darstellung, die TGL habe kein angemessenes Angebot vorgelegt, weisen wir entschieden zurück. Im Verlauf der bisherigen Verhandlungen ist die TGL der ADEXA mehrfach deutlich entgegengekommen und hat ihr ursprüngliches Angebot wesentlich verbessert. Unser Angebot bewegt sich keineswegs am unteren Rand der bundesweiten Tarifentwicklung, sondern geht in wesentlichen Bereichen sogar über das hinaus, was zuletzt in anderen Tarifabschlüssen vereinbart wurde.
Besonders wichtig war uns dabei der Berufsnachwuchs. Gerade bei den Ausbildungsvergütungen und den Vergütungen der Berufsanfänger ist die TGL der ADEXA weit entgegengekommen und hat die ursprünglichen Forderungen in einzelnen Bereichen sogar übertroffen. Dies geschieht aus voller Überzeugung. Wir sehen es als gemeinsame Verantwortung aller
Tarifparteien an, die Apothekenberufe für junge Menschen attraktiver zu gestalten und ausreichend qualifizierten Nachwuchs für die öffentliche Apotheke zu gewinnen. Es wäre daher angemessen, diesen wichtigen Beitrag im Gesamtbild der Tarifverhandlungen ebenfalls anzuerkennen.
Ebenso vermissen wir bislang eine nachvollziehbare Antwort auf die entscheidende Frage, wie die erheblichen zusätzlichen Personalkosten dauerhaft finanziert werden sollen. Öffentliche Apotheken verfügen – anders als nahezu alle anderen Wirtschaftszweige – nicht über die Möglichkeit, steigende Personalkosten über eigene Preisentscheidungen auszugleichen. Ihre wirtschaftlichen Spielräume werden im Wesentlichen gesetzlich bestimmt. Wer dauerhaft höhere Personalkosten fordert, muss deshalb auch beantworten, wie diese dauerhaft erwirtschaftet werden können.
Hinzu kommt, dass die öffentliche Diskussion häufig an der tatsächlichen Vergütungswirklichkeit vorbeigeht. Tarifverträge schaffen einen verbindlichen Rahmen. Die tatsächliche Bezahlung in den Apotheken liegt jedoch vielfach darüber. Zahlreiche Betriebe zahlen freiwillige übertarifliche Zulagen, gewähren zusätzliche Urlaubstage, Sonderzahlungen, flexible
Arbeitszeitmodelle oder weitere Benefits, um qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden. Diese Realität wird in der öffentlichen Darstellung regelmäßig ausgeblendet.
Ebenso darf der Blick auf die vergangene Tarifrunde nicht fehlen. Die TGL hat damals einer deutlichen Tarifsteigerung zugestimmt, obwohl den Apotheken zu diesem Zeitpunkt weder zusätzliche Honorare noch wirtschaftliche Entlastungen zur Verfügung standen. Diese Verantwortung haben die Arbeitgeber damals bewusst übernommen. Vor diesem Hintergrund halten wir es für angemessen und fair, in der aktuellen Tarifrunde einen ausgewogenen Abschluss anzustreben, der sowohl den berechtigten Interessen der Beschäftigten als auch der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Apotheken Rechnung trägt.
Die TGL war während der gesamten Verhandlungen bereit, einen Tarifabschluss mit Wirkung zum 1. Juli 2026 zu vereinbaren. Wir haben mehrfach erklärt, dass wir – sollte sich der Abschluss aufgrund weiterer Verhandlungen verzögern – bereit sind, eine Einigung rückwirkend zum 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Dieses Entgegenkommen sollte den Beschäftigten Planungssicherheit geben und dokumentierte unseren ernsthaften Willen zu einer schnellen Einigung. Ob wir an dieser freiwilligen Bereitschaft angesichts des aktuellen Vorgehens der ADEXA weiterhin festhalten können, wird der weitere Verlauf der Verhandlungen zeigen müssen.
Die TGL bleibt jederzeit gesprächsbereit. Unser Ziel ist unverändert ein fairer und dauerhaft finanzierbarer Tarifabschluss. Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ebenso wie wirtschaftlich stabile Apotheken. Beides gegeneinander auszuspielen, hilft weder den Mitarbeitenden noch den Betrieben und am Ende auch nicht der wohnortnahen Arzneimittelversorgung.
Wir sind überzeugt, dass tragfähige Tarifabschlüsse am Verhandlungstisch entstehen – nicht über Pressemitteilungen.
Sebastian Berges und Constantin Biederbick
Vorsitz TGL e.V.
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